Anna B.

Wir (ZiBB) beschäftigen uns seit 25 Jahren mit dem Zusammenkommen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Menschen sind alle unterschiedlich - manchmal ordnen sie sich selber einer kulturellen Gruppe zu, manchmal werden sie zugeordnet. Es gibt nicht DIE Kultur eines Landes, sondern viele unterschiedliche Strömungen und Subkulturen, die oft auch über Ländergrenzen hinweg Menschen miteinander verbinden können. Den interkulturellen Austausch begreifen wir daher nicht als reinen Austausch zwischen DER Kultur eines Landes und DER Kultur eines anderen Landes und es ist uns wichtig, Menschen aus anderen Herkunftsländern nicht auf eine angenommene „Mehrheitskultur“ ihres Herkunftslandes zu reduzieren. Es ist erschreckend, wie menschenverachtend teilweise in der Gesellschaft und den Medien miteinander umgegangen wird. Menschenrechte dürfen nicht nur in einer intellektuellen Blase gelten, sondern sie müssen für alle und überall gelten, sie müssen im Zwischenmenschlichen gelebt werden. Daher kann es auch keine Rechtfertigungen für beispielsweise das Schreiben von Hasskommentaren geben, aber wir müssen uns die Ursachen anschauen, denn die Brutalität und Menschenverachtung, die sich hier teilweise Bahn brechen, deuten auf eine gravierende Antriebskraft hin. Eine Ursache dafür, dass Menschen andere Menschen vollständig abwerten, scheint darin zu liegen, dass sie unter den Bedingungen, unter denen sie selbst leben, leiden und die ungleiche Verteilung von Chancen und Gütern in unserer Gesellschaft als ungerecht empfinden – ungeachtet dessen, ob die Person, die als Zielscheibe missbraucht wird, damit mittelbar oder unmittelbar überhaupt zu tun hat. Dabei sind sowohl die Willkür in der Auswahl der Opfer als auch die Feindseligkeit und der Mangel jeglicher Empathie so unglaublich fatal. Das ist ein großes gesellschaftliches Problem, darüber müssen wir miteinander reden.