AmokKoma

Hallo,
wovon ich träume und was ich mir so sehr wünsche, wäre in einer Welt ohne Angst, bzw. in Verhältnissen zu leben, die nicht angstbesetzt bzw. angsterzeugend sind. Ich bin einer derjenigen, die das Privileg hatten in der Zeit nach 1968 jung zu sein - das war eine Zeit des Aufbruchs und der teilweisen Befreiung (Befreiung von dem Mief der postnazistischen Gesellschaft der 50er und 60er - die Wohn- und Lebensverhältnisse waren sehr stark reglementiert/ WG`s gab es so gut wie nicht/ "wilde Ehe" war die Bezeichnung für Beziehungen ohne Trauschein, unverheiratete Frauen waren eben Fräulein und sein Leben frei und lustvoll zu gestalten war sehr schwer herzustellen). Ende der 60er entstand eine antiautoritäre Jugendbewegung aus Studenten, Schülern, Jungarbeitern und Lehrlingen - das Recht auf Kriegsdienstverweigerung wurde massiv genutzt, um dem Militarismus eine Absage zu erteilen und alle möglichen Formen eines neuen Lebensentwurfs entstanden in einem neuen Zeitalter der Revolte. Die Gegenseite schlug massiv zurück (beispielhaft ist ein Song von dem Schnulzier Freddy Quinn "Wir" https://youtu.be/4toCZmzILIs ). Trotz der Angriffe und der Repression durch den Staatsapparat der Reaktionäre war der Duft der Freiheit in der Luft. https://youtu.be/Jk68D91hTXw Gekämpft wurde in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts an vielen Fronten: Die Yankees erlebten in Vietnam ihre historische Niederlage, Griechenland, Spanien und Portugal überwand den Faschismus, etliche Kolonien in Afrika wurden in die Freiheit entlassen, die Arbeiterklasse war in Europa sehr kämpferisch und setzten viele ihrer Forderungen um, die Frauenbewegung organisierte sich, die Anti AKW Bewegung entstand und und und. In diesen Aufbruchzeiten, die z. T. auch sehr hart waren, war trotzdem lange nicht so angstbesetzt, wie die heutigen Zeiten unter dem Diktat des Neoliberalismus. Als 1989 die DDR (TäTäRä) verbunden mit der Sowjetunion und ihren befreundeten Staaten als "sozialistische Staatengemeinschaft" aufgegeben haben, änderte sich die Stimmung und die Bedingungen im siegreichen Kapitalismus gewaltig. Wolfgang Dierking, Psychoanalytiker aus der Schule von Prof. Horst Eberhard Richter hat damals in einem Vortrag über die negativen Folgen des Utopieverlustes bezüglich der Niederlage des "sozialistischen Lagers" referiert. Ich hätte es selbst nicht für möglich gehalten, das diese Auswirkungen so massiv sein würden. Knapp 9 Jahre nach dem Ende des kalten Krieges gelang es Rot/Grün endlich wieder in einen Krieg zu ziehen - gegen die Bundesrepublik Jugoslawien (dieser Krieg war völkerrechtswidrig - aber das ist ja heute scheißegal!) https://youtu.be/ZtkQYRlXMNU Damit war die erzwungene Friedfertigkeit in der Nachkriegszeit (nach 1945) zu Ende, in der ich mich sauwohl gefühlt habe (zumindestens was das Fehlen von bewaffneten Konflikten anging). Kaum war die Mauer gefallen, krochen die braunen Ratten an die Oberfläche - Rassismus, Antisemitismus und Faschismus nahmen in den Folgejahren kontinuierlich zu - die Liste der Opfer beweist es.
Ebenso ist seit dem Ende der Nachkriegszeit (Beginn der Vorkriegszeit?) bzw. dem Sieg im kapitalistischen Blitzkriegs ein ständiger Sozialabbau betrieben worden. Das setzt Millionen von Menschen in diesem Land gewaltig zu - sie leben in permanenter Existenzangst. Garantierte Arbeitsverhältnisse sind in unbefristete Billigjobs umgewandelt worden und für die Betroffenen bedeuted das im Rentenalter die Katastrophe. Aber in diesem "freien" Land ist Armut tabuisiert - da redet man nicht drüber - auch nicht die Vertreter der " Qualitätsmedien" - ergo ist Armut nicht existent.
Zum guten Schluß: "Angst essen Seele auf" war der Titel eines guten Films von Rainer Maria Fassbender - ständige Angst zerstört die Menschen, die darunter leiden.
Die Angst vor kriegerischen Auseinandersetzungen ist heute real (das geht u. U. im Rahmen des Nato-Bündnisses sehr schnell - siehe Jugoslawien, Afghanistan usw.) -
die Angst vor sozialem Abstieg ist ebenso real und ein erstarken von Rassismus, Antisemitismus und Faschismus macht auch Angst. Und Angsterzeugung wird gleichzeitig immer wieder genutzt, um bestimmte Interessen, Stimmungslagen und politische Ergebnisse (z. B. Wahlen) durchzusetzen. Dies ist m. E. sehr wichtig zu verstehen und sich dagegen aufzulehnen: Wer den Kampf nicht teilt, teilt die Niederlage, und wer für seine eigene Sache nicht kämpft, kämpft für die seiner Feinde! https://youtu.be/RzF47R_LnEg