Dr. Doro von Ritter-Röhr

78 Jahre

Ich heiße Doro und bin eine Giessener Oma gegen rechts. Ich bin 78 und sozusagen Kriegsgeneration in meiner Jugend herrschte das totale Schweigen im Elternhaus als auch in der Schule hinsichtlich des 2. Weltkrieges. Meine Fragen hielten sich in Grenzen, da das Thema irgendwie tabuisiert war. Später war ich irgendwie mit anderen Dingen beschäftigt und entdeckte tatsächlich mein Interesse an der Politik erst im hohen Alter. Irgendwie wollte ich mich auch nicht dem Vorwurf meiner Enkel anhören müssen, zu politischen Fehlentscheidungen in Deutschland geschwiegen zu haben. Ich merkte jetzt zusehends, dass es weniger um diesen fantasierten Vorwurf geht als um meine eigene Auseinandersetzung mit der inaktiven Beteiligung an demokratischen Prozessen. Der öffentliche Protest ist das Lebenselixier jeder Demokratie.
Demokratie bedarf der permanenten Diskussion über den richtigen Weg auf dem Boden des Grundgesetzes.

Demokratie ist ein fragiles System und kein Selbstläufer.

Mich beschäftigt die Frage: Ist unsere Welt neu zu denken (Maja Göpel)? Gerade jetzt in Zeiten der Panademie wäre so ein Umdenken möglich, aber irgendwie scheint jede*r nur die Luft anzuhalten und zu warten, dass es bei niedriger Inzidenzrate endgültig wieder weitergeht wie bisher. Ist es nicht auch eine Chance das Wirtschaftssystem zu verändern? Können wir wirklich weitermachen wie bisher?

In dieser Diskussion sind wir noch nicht weit gekommen, weil wir ständig an irgendwelchen Brennpunkten löschen müssen: § 219 a, Femizide, unmenschliche Zustände bei den Flüchltingen …