ich träumte von einem grünen Band

Die Videoarbeit ist eine Dokumentation der Performance von Nicol Baumgärtl, in welcher sie 10 Stunden am Tag 10.000 Stoffflicken zusammennäht. In ihrer Arbeit beschäftigt sich die Künstlerin mit der Situation von Näherinnen im Niedriglohnsektor und wie wir, als Konsument*innen dieser Kleidung, das Wissen darüber scheinbar tagtäglich ausblenden.

ein Schaufenster
dahinter ein Raum
grell erleuchtet
das andauernde Geräusch einer Maschine ist zu hören
und übertönt alles lebendige
eine Anweisung ist zu lesen


Titel
ich träumte von einem grünen Band


Performance
es liegen 10.000 Stoffflicken auf dem Tisch
ich nähe sie alle zusammen


Zeit
10 Stunden pro Tag
bis alle Flicken vernäht sind


in der Mitte sitzt eine Frau in einem weißen Kleid
ihre ordentlich frisierten Haare fangen an sich aufzulösen
die rot geschminkten Lippen sind verblast
zu Arbeitsbeginn noch perfekt
ist die Reinheit dieser Frau durch ihre Arbeit gebrochen
vor einer Nähmaschine sitzend produziert sie 10 Stunden am Tag
jeden Performancetag hindurch ein Band aus schwarzen Flicken
welches sich am Ende der Performance
mehr als 2000m durch den Raum zieht

Dieses Bild steht symbolisch für die Situation der Näherinnen in Niedriglohnländern. Es entstand aus der Frage heraus, warum unsere Köpfe das Bewusstsein der dortigen Arbeitsumstände oft noch ausblenden, obwohl über diese Situationen immer wieder berichtet werden. Es setzt sich somit nicht nur mit den dortigen Arbeitsbedingungen und unserem Konsumverhalten in der fast fashion auseinander sondern auch im Allgemeinen mit respektvollen Umgang von Arbeit und der damit verbundenen Würde des Menschen. Besonders Frauen und junge Mädchen kommen immer wieder in die Situation dieser Ausbeute. Es ist aber auch ein Aufschrei an die westliche Modeindustrie, die sich bei der Frage nach Konsum von fairen und schlechten Gütern aus der Verantwortung stehlen und diese dem Verbraucher zuschieben. Der Verbraucher selbst wird zum Sündenbock gemacht, aber wäre eine ideale Konsumvorstellung nicht einfach, wenn gar keine schlechten Güter produziert werden würden?
Berichte machen uns betroffen, lassen uns aber nicht mit eigenen Augen sehen und am eigenen Leib spüren. Deswegen möchte ich bei mir selbst beginnen, die Arbeit erfahren, um das Erlebte nach Außen tragen zu können. Die Situation der Näherinnen zu uns bringen, um sie sichtbarer zu machen und eine Übertragung dieses Bewusstwerdens.
Die Performance sät einen Gedanken, ermöglicht eine Konfrontation, welche durch die Distanz zu diesen Arbeitsbedingungen leicht in den Hinterkopf gedrängt wird.
Das schwarze Band symbolisiert in der Traumdeutung einen bevorstehenden Trauerfall und persifliert somit die Arbeit der Frauen. Die Arbeit, welche das Überleben fördern sollte, wird hier zum Produkt des Todes.