Die Tasche

Ich war einmal ein Hemd! Geboren wurde ich in Südindien in einer Baumwollkapsel mit unzähligen Geschwistern. „Schön“, dachte ich, „das kann ja lustig werden“. Doch oh weh, die Wirklichkeit sah anders aus. Riesige Pestizidwolken nebelten uns ein. Eine traurige Zeit begann: Kein Käfer und kein Bienengesumm – alles nur tot. Das traurigste Erlebnis aber war, als ich die ersten Baumwollpflückerinnen sah, meist sichtbar unterernährte Frauen, oft auch Kinder, die in brütender Hitze ohne Atemschutz pflücken mussten.

Auf meinen weiteren Stationen, bis ich endlich zum fertigen Baumwollstoff wurde, musste ich noch viel Elend der Ausbeutung sehen. Den Gipfel meiner Betroffenheit allerdings erlebte ich, als ich das Los der Näherinnen kennenlernte. Hunderte Frauen saßen in verschlossenen Räumen, Stunde um Stunde ohne Pause. Urlaub gab es nicht. Der Lohn war so gering, dass er kaum zum Leben reichte. Und das Schlimmste, was mir immer noch in den Ohren klingt: Wer aufmuckt, fliegt raus! Oh, wie hoffe ich für alle Ausgebeuteten endlich auf ein lebenswertes Leben in Frieden und Gerechtigkeit.

Von meinem Dasein als Hemd kann ich nur berichten, dass mein Besitzer mich oft und gerne getragen haben, bis die Ehefrau sagte: „Nun trenn dich mal endlich von deinem alten Schätzchen und bring es mit den anderen Textilien in die Jugendwerkstatt.“ Was ein Glück, dass ich das noch erleben darf! Junge Frauen und auch Auszubildende in der Schneiderei der Jugendwerkstatt nähen aus mir und vielen anderen Hemden praktische Taschen. Damit sagen wir den umweltfeindlichen Plastiktaschen den Kampf an. Wie hätte ich es für möglich gehalten, dass ich noch so viele fröhliche Begegnungen erleben darf. Denn als Tasche werde ich zum Einkauf mitgenommen. Und was mir besonders gut gefällt: Es hat sich herumgesprochen, dass ich das umweltbelastende Geschenkpapier ersetzen kann. Damit hat meine Besitzerin durch das Einpacken Zeit gespart und meine Bedeutung noch einmal sichtbar gemacht.

Die Jugendwerkstatt und der Peppladen sorgen dafür, dass ich immer mehr benutzt werde. Ist das nicht eine tolle Mission, die ich jetzt noch erfüllen kann?

Danke!

Eure Tasche, die einmal ein Hemd war.

P.S. Noch auf ein Wort.

„Wir Ärmel gehören doch auch zum Hemd“. Das sagte sich auch Toni und setzte ihre pfiffige Idee gleich um. Und so wurden wir als Flaschentaschen kreiert. Eine gute Möglichkeit, bei Einladungen eine Flasche Wein in einer originellen und nachhaltigen Verpackung  mitzubringen. Wir freuen uns auf die Möglichkeit, den Gastgeber mit einem guten Tropfen Wein in einer dekorativen Hülle erfreuen zu können.

Zum Wohl und viel Freude!

Die Hemdtaschen sind erhältlich im

Gebrauchtwaren Kaufhaus der Jugendwerkstatt, Alter Krofdorfer Weg 4, 35398 Gießen

Pepp Laden, Bahnhofstr. 41, 35390 Gießen; -Kirchenladen, Marktplatz 7, 35390 Gießen