Anna B.

Wenn ich Umwelt höre, denke ich an Katastrophe! Wenn ich an Natur denke, dann denke ich an Freiheit. Wenn ich an Umwelt in der Zukunft denke, dann denke ich, dass es ziemlich entsetzlich wird, weil ich nicht den Eindruck habe, dass wir schnell genug handeln. Das gilt für das persönliche Verhalten, mich eingeschlossen und unser Agieren als Gesellschaft. Es wird ja sogar darüber debattiert, ob der Umfang der Proteste und die Intensität dieser Proteste angemessen ist, mit Blick auf die bereits ablaufende Klimakatastrophe ist das ziemlich paradox. Die wirkliche Wende werden wir erst schaffen, wenn wir alle ins Boot holen und wegkommen von der rein intellektuell elitären Debatte. Um die Umwelt zu retten, müssen wir solidarisch und chancengleich sein, denn Natur und Umwelt sind immer auch mit der sozialen Frage verbunden. Wir müssen von den großen Ungleichgewichten der Welt wegkommen, mit ihnen werden wir die Probleme nicht lösen. Auch Gießen muss sich verändern. Aber auch hier ist es wichtig, nicht elitär zu denken und in eine Ecke der „Schöner-Wohnen-Ökologie“ für wenige zu geraten, sondern es muss die ganze Stadtgesellschaft einbezogen werden, so dass alle sich mit dem Wandel identifizieren und den Wert für ihr eigenes Leben und die Zukunft nachvollziehen können. Nur so sind Änderungen in einem wirklich relevanten Umfang möglich und nur so werden sie nachhaltig sein. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir auch lokal in Gießen alles tun, um die Umwelt zu schützen und Klimaneutralität zu erreichen. Das bedeutet aber nicht nur über Vorzeigeprojekte hier Dinge zu verbessern, während gleichzeitig an anderen Stellen wieder Verschlechterungen stattfinden. Doch leider sind wir derzeit noch viel zu viel am Verhandeln, was man an den Überlegungen zu Parkhäusern sieht, scheinbar erkennen wir die Dringlichkeit der Lage nicht. Wir brauchen mehr Freiräume, belebte öffentliche Plätze und sollten gemeinsam die städtischen Flächen nutzen. Das Vergnügungsstätten-Gesetz der Stadt Gießen ist zu einem Problem für die Kultur der Stadt geworden. Es schlägt genau in die Kerbe, die Gießen darin einschränkt, ihr Potenzial als weltoffene und freie Universitätsstadt voll auszuschöpfen. Alles jenseits der sogenannten „Hochkultur“ insbesondere, wenn es erst am späteren Abend beginnt, wird eher als Problem mit ausschließlichen Konfliktthemen behandelt, anstatt mit Stolz auf seine Bedeutung für das kulturelle und soziale Miteinander vertreten zu werden. Das Nachtleben wird dabei in eine Schmuddelecke gestellt und die anstrengende Arbeitsleistung von Kulturschaffenden eher als „Feierei“ und fast ein bisschen anrüchig und nicht ganz vollwertig abgetan. Diese merkwürdige 50er-Jahre-Mentalität ist vielleicht auch der Grund dafür, dass die zahlenmäßig zwar geringen Beschwerden von Anwohner*innen in der öffentlichen Debatte und Wahrnehmung einen äußerst präsenten Stellenwert einnehmen und ein überproportionales Gewicht bei der Stadtraumgestaltung gewinnen. Das ist nicht zukunftsweisend für eine dynamische Urbanität und schadet einer gemeinsam gestalteten Stadtkultur, die die Interessen aller ausgewogener berücksichtigen muss.